KAMERA DES
MONATS

Rouch's Universal Landscape Camera
Rouch's Universal Landscape Camera
Die Rouch’s Universal Landscape Camera ist eine historische Balgenkamera aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Hergestellt wurde sie von der Londoner Firma W. W. Rouch & Co., die von etwa 1862 bis 1919 aktiv war. Zuvor firmierte das Unternehmen zeitweise unter dem Namen Burfield & Rouch. Der Sitz befand sich im Londoner Stadtteil Strand, einem Zentrum für Fotohandel und optische Geräte jener Zeit.
Die Kamera entstand in einer Epoche, in der die Fotografie den Schritt aus den Ateliers hinaus in die Landschaft machte. Um 1889 bis etwa 1892 wurde die „Universal“ angeboten – eine Bezeichnung, die bereits andeutet, dass sie für vielseitige Einsätze gedacht war. Als Feldkamera konzipiert, war sie tragbar und dennoch stabil gebaut. Der Korpus bestand aus feinem Holz, meist Mahagoni, ergänzt durch Messingbeschläge. Ein ausziehbarer Balgen verband die Frontstandarte mit dem Kamerarückteil. Typisch war ein Schlitten mit Zahnradführung, über den das Objektiv präzise vor- und zurückbewegt werden konnte, um scharfzustellen. Dazu kamen Verstellmöglichkeiten wie Frontanhebung, Schwenkbewegungen und eine umkehrbare Rückwand, die dem Fotografen erlaubten, Perspektiven und Bildaufbau gezielt zu beeinflussen – Funktionen, die besonders in der Architektur- und Landschaftsfotografie von Bedeutung waren.
Die Kamera verwendete Glasplatten als Aufnahmematerial, die in speziellen Haltern eingeschoben wurden. Je nach Ausführung konnten verschiedene Formate bis hin zu Großformatplatten eingesetzt werden. Damit bot die Universal eine Bildqualität, die für die damalige Zeit außergewöhnlich hoch war, zugleich aber einen gewissen logistischen Aufwand verlangte: Platten, Chemikalien und Dunkelkammerarbeit gehörten untrennbar dazu.

In der Praxis nutzte man Kameras dieser Art vor allem für Landschaftsaufnahmen, Architekturstudien und wissenschaftliche Zwecke. Die Rouch’s Universal war ein Arbeitsgerät für Fotografen, die Wert auf Mobilität legten, ohne auf die Möglichkeiten einer Studiokamera verzichten zu müssen.
Heute sind nur noch wenige Exemplare erhalten. Museen wie das Victoria and Albert Museum in London bewahren verwandte Modelle, und auf Auktionen tauchen sie gelegentlich als begehrte Sammlerstücke auf. Für Fotohistoriker steht sie stellvertretend für den Übergang von der schwerfälligen Studiofotografie hin zu einer beweglicheren, kreativeren Fotopraxis, die den Grundstein für moderne Outdoor-Fotografie legte.

Ein Projekt der Helmut Arenz Kulturstiftung

Jeden Monat präsentieren wir Ihnen eine Kamera aus unserer Sammlung. Die Kamera können Sie natürlich auch bei uns in der Ausstellung oder im Archiv besichtigen.

Wir freuen uns auf Ihren Besuch.
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