KAMERA DES
MONATS

Lizars Challenge Model E
Lizars Challenge Model E
Eine elegante Reisekamera aus der Blütezeit der Plattenfotografie. Während sie im 19. Jahrhundert noch überwiegend professionellen Fotografen und wissenschaftlichen Einrichtungen vorbehalten war, entwickelten sich zunehmend Kameras, die auch ambitionierten Amateuren den Zugang zu diesem faszinierenden Medium ermöglichten. In diese Epoche fällt die Lizars Challenge Model E, eine hochwertige Klappkamera, die um das Jahr 1905 von der traditionsreichen schottischen Firma J. Lizars in Glasgow gefertigt wurde.

Das Unternehmen J. Lizars war bereits seit Mitte des 19. Jahrhunderts für seine optischen Instrumente und später auch für fotografische Ausrüstungen bekannt. Besonders die Challenge-Serie richtete sich an Fotografen, die eine kompakte, dennoch leistungsfähige Kamera für Reisen, Ausflüge oder dokumentarische Arbeiten suchten.

Schon beim ersten Blick vermittelt die Lizars Challenge Model E den besonderen Charme historischer Kameratechnik. Das mit feinem Leder bezogene Gehäuse, die präzise gefertigten Metallbeschläge sowie der ausziehbare Balgen spiegeln den hohen handwerklichen Anspruch der damaligen Zeit wider. Im zusammengeklappten Zustand ließ sich die Kamera vergleichsweise platzsparend transportieren. 

Technisch entsprach die Lizars Challenge Model E dem hohen Standard ihrer Zeit. Je nach Ausführung wurde sie für fotografische Platten bzw. entsprechende Kassetten angeboten, meist im Bildformat von ca. 3 ¼ x 4 ¼ Zoll (Viertelplatte). Ausgestattet war sie je nach Ausführung mit hochwertigen Anastigmat- oder Rapid-Rectilinear-Objektiven, die bereits eine beachtliche Bildschärfe bis in die Bildecken ermöglichten. Das hier gezeigte Exemplar besitzt ein Beck Double Aplanat f/7,7. Der Zentralverschluss, der pneumatisch oder mechanisch ausgelöst werden konnte, erlaubte sowohl Momentaufnahmen als auch längere Zeitbelichtungen. Belichtungszeit, Blende und Entfernung mussten sorgfältig eingestellt werden, denn jeder Fehler führte unweigerlich zu einer misslungenen Aufnahme. Da Glasplatten kostbar waren und unterwegs nur begrenzt zur Verfügung standen, wurde jedes Motiv mit Bedacht gewählt.

Mit einem Gesamtgewicht von etwa eineinhalb bis zweieinhalb Kilogramm war die Kamera keineswegs leicht, galt für ihre Zeit jedoch als ausgesprochen transportabel. Gerade dieser Umstand machte sie zu einer beliebten Begleiterin auf Reisen.

Der typische Einsatzbereich der Lizars Challenge Model E lag vor allem in der Landschafts-, Architektur- und Reisefotografie. Viele Fotografen nutzten Kameras dieser Bauart, um Städte, Dörfer, Industrieanlagen oder Naturdenkmäler festzuhalten. 

Aus heutiger Sicht fasziniert die Lizars Ch allenge Model E weit über ihre technische Funktion hinaus. Sie steht für eine Epoche, in der Fotografie noch ein handwerklicher Prozess war und jede Aufnahme Zeit, Geduld und Erfahrung erforderte. 

Gerade diese Entschleunigung macht den besonderen Reiz der Lizars Challenge Model E aus. Sie erinnert daran, dass Fotografie weit mehr ist als das schnelle Festhalten eines Augenblicks. Sie verbindet technisches Können mit künstlerischem Blick und handwerklicher Präzision. Die Lizars Challenge Model E verkörpert nicht nur ein technisches Instrument, sondern ein Stück Fotografiegeschichte, das bis heute Respekt und Bewunderung hervorruft.


Wichtige technische Daten:
  • Hersteller: J. Lizars, Glasgow, Schottland
  • Baujahr: ca. 1904/1905
  • Kameratyp: Klappkamera (Folding Camera)
  • Aufnahmemedium: fotografische Platten; 
     je nach Ausführung auch Planfilm in entsprechenden Kassetten
  • Bildformat: typischerweise Quarter-Plate (ca. 3 ¼ x 4 ¼ Zoll)
  • Objektiv: meist Anastigmat- oder Rapid-Rectilinear-Objektiv        
     unterschiedlicher Hersteller, hier Beck Double Aplanat f/7,7
  • Verschluss: Zentralverschluss mit pneumatischer und mechanischer
     Auslösung, Zeit- und Momentbelichtung
  • Fokussierung: Manuell über verschiebbaren Objektivstandard
  • Sucher: Brillantsucher
  • Stativgewinde: vorhanden
  • Gewicht: je nach Ausstattung etwa 1,5 bis 2,5 kg Gesamtgewicht

Ein Projekt der Helmut Arenz Kulturstiftung

Jeden Monat präsentieren wir Ihnen eine Kamera aus unserer Sammlung. Die Kamera können Sie natürlich auch bei uns in der Ausstellung oder im Archiv besichtigen.

Wir freuen uns auf Ihren Besuch.
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