Die Praktisix ist eine Kamera, die nicht nur Technikgeschichte geschrieben hat, sondern auch den Charme vergangener Jahrzehnte bis heute ausstrahlt. Sie wurde Ende der fünfziger Jahre in Dresden entwickelt und gehörte zu den ersten Spiegelreflexkameras, die im Mittelformat 6×6 auf Rollfilm arbeiteten. Mit ihrer robusten Konstruktion, dem unverwechselbaren Design und der für damalige Verhältnisse enormen Bildqualität war sie eine kleine Sensation – und wurde schnell zu einem Symbol der DDR-Fotoindustrie.
Erstmals 1956 auf der Photokina vorgestellt, kam die Praktisix 1957 in Serie. Konstruiert von Siegfried Böhm, markierte sie den Beginn einer ganzen Kamerafamilie, die später unter dem Namen Pentacon Six und Pentacon Six TL weitergeführt wurde. Insgesamt wurden rund 28.000 Exemplare der Praktisix-Modelle gebaut, bevor sie in den späten sechziger Jahren von ihren Nachfolgern abgelöst wurde. Damit blieb sie zwar ein Nischenprodukt, prägte aber Generationen von Fotografierenden, die Wert auf große Negative und detailreiche Aufnahmen legten.
Die Kamera arbeitete mit dem sogenannten P6-Bajonett, einem Objektivanschluss, der eine beachtliche Auswahl an Linsen ermöglichte. Besonders beliebt war das Carl Zeiss Jena Biometar 2,8/80 mm, das als Standardobjektiv diente. Auch weitere Brennweiten – vom Weitwinkel bis zum Tele – standen zur Verfügung und machten die Praktisix vielseitig einsetzbar. Ihr mechanischer Schlitzverschluss bot Belichtungszeiten bis zu einer Tausendstelsekunde, dazu kam die Möglichkeit von Langzeitbelichtungen im Bulb-Modus. Bedient wurde sie klassisch manuell: Filmtransport, Scharfstellung, Blende und Zeit – alles musste bewusst eingestellt werden.
Das machte die Praktisix zu einer Kamera für Fotografen, die Kontrolle über ihr Bild haben wollten. Gleichzeitig stellte es auch eine Hürde dar: Komfortfunktionen wie automatische Belichtungsmessung oder motorischer Filmtransport fehlten. Auch ihr Gewicht war nicht zu unterschätzen, und wer mit ihr unterwegs war, spürte schnell, dass sie keine leichte Begleiterin für spontane Schnappschüsse war. Dennoch war genau dieses bewusste Arbeiten für viele eine Stärke. Jede Aufnahme erforderte Aufmerksamkeit, jede Entscheidung wurde überlegt getroffen, und die Ergebnisse waren dafür umso beeindruckender.
Natürlich hatte die Praktisix auch ihre Schwächen. Viele der heute noch erhaltenen Exemplare verlangen nach einer gründlichen Wartung, da Verschluss, Lichtdichtungen und Spiegelmechanik über die Jahrzehnte beansprucht wurden. Ersatzteile sind nicht immer leicht zu finden, und so wird die Anschaffung schnell zu einem Liebhaberprojekt. Wer sich aber auf diese Herausforderungen einlässt, wird mit einer Kamera belohnt, die ein unverwechselbares Erlebnis bietet – sowohl in der Handhabung als auch im Ergebnis.
In der Geschichte der Fotografie nimmt die Praktisix einen besonderen Platz ein. Sie war ein wichtiger Schritt hin zu bezahlbaren Mittelformatkameras in der DDR, sie verband Ingenieurskunst mit dem Anspruch auf professionelle Bildqualität, und sie schuf eine Grundlage für die lange Tradition der Pentacon-Six-Reihe, die bis in die späten achtziger Jahre produziert wurde. Heute erfreut sie sich bei Sammlern, Analog-Enthusiasten und Altglas-Fans einer neuen Popularität. Ihre Bilder zeichnen sich durch eine charakteristische Ästhetik aus, die digitale Technik bis heute nicht nachzuahmen vermag.
Wer eine Praktisix in die Hand nimmt, hält nicht nur eine Kamera, sondern ein Stück Kulturgeschichte. Sie erzählt von einer Zeit, in der Fotografie langsamer, bewusster und vielleicht auch leidenschaftlicher war. Und sie beweist, dass technischer Fortschritt nicht immer nur in Richtung Kompaktheit und Automatisierung gehen muss – manchmal liegt die wahre Faszination gerade in der Mechanik, im Gewicht, im Widerstand eines Hebels oder im satten „Klack“ des Verschlusses.
Jeden Monat präsentieren wir Ihnen eine Kamera aus unserer Sammlung. Die Kamera können Sie natürlich auch bei uns in der Ausstellung oder im Archiv besichtigen.
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